Medialphysische Filme

Virtuelle Wirklichkeiten/ Cyberspace

Welt am Draht (Fassbinder 1973)

In zwei Teilen. Drehbuch nach Daniel F. Galouye: Simulacron 3. Absoluter Klassiker und Vorläufer zu Matrix, the 13th Floor und ähnlichen Filmen. Hier vermischen sich in radikaler Art physische und virtuelle Realitäten in einer Art Mehrebenensystem.

Tron (Lisberger 1982)

Der Programmierer Kevin Flynn wird versehentlich durch einen Speziallaser digitalisiert und findet sich im das Inneren des Zentralrechners der Computerfirma ENCOM wieder. Dort kämpft er als ‚User’ gegen das „Master Control Program“. Arcadegamestyle der 80er trifft auf Cyberspace-Philosophie. Der Nachfolger Tron Legacy (Kosinski 2010) kann leider trotz schöner 3D-Effekte nicht mit dem Klassiker mithalten.

Der Rasenmäher Mann (Leonard 1992; Mann 1996)

Nach der gleichnamigen Kurzgeschichte von Stephen King. Mithilfe von Doping und Serious Games in Überdosen erschafft Dr. Angelo ein Wesen mit übermenschlichen Kräften. Der etwas zurückgebliebene Rasenmähermann wird zum wütenden Cyboman. Absolut trashig!

Strange Days (Bigelow 1995)

Filme, die man über ein Brain-Computer-Interface über allen Sinne „erlebt“ – Erfahrungen aus dritter werden zu Erfahrungen aus erster Hand. Dazu noch eine kleine Story über den Tode des Rappers Jeriko One und ein Finale an Silvester 2000…

Matrix (Wachowski-Geschwister ab 1999, 3 Teile)

Besonders der erste Teil ist meiner Meinung nach sehr zu empfehlen. Die Maschinen haben die Weltherrschaft übernommen und nutzen die Menschheit als Energielieferanten. Diese ahnen jedoch nichts von ihrem Schicksal, da sie ihr Leben in einer (fast) vollkommenen Computersimulation verbringen. Ein interessanter Aspekt im zweiten Teil ist, dass Agent Smith (ein Computerschutzprogramm) unabhängig von der Matrix wird und auf eigene Faust nach Autonomie strebt.

The 13th Floor (Rusnak 1999)

The 13th Floor ist eine weitere Verfilmung von Galouyes Roman Simulacron 3, allerdings nicht ganz so tiefgreifend wie Fassbinders Version. Im Mittelpunkt steht wieder die Existenzfrage: Was ist real? In dieser Adaption kann nicht nur eine Störung, sondern sogar ein geographisches Ende der Simulation entdeckt werden…

Abre los ojos (Amenábar 1997); Vanilla Sky (Crowe 2001)

Von der Technik sieht man in diesen Filmen eher weniger (so wie es sich für eine gute Simulation gehört) und doch befinden sich die Protagonisten fast die ganze Zeit in einer virtuellen Realität. Wer mit der mysteriösen Firma Life Extension einen Vertrag unterzeichnet, wird nach seinem physischen Tod auf Eis gelegt und überbrückt die Zeit bis die Zukunft neue Heilmethoden hervorgebracht hat in einem fortwährenden (Alb-)Traum aus seinem Unterbewusstsein.

Inception (Nolan 2010)

„Einst träumte Dschuang Dschou, dass er ein Schmetterling sei, ein flatternder Schmetterling, der sich wohl und glücklich fühlte und nichts wußte von Dschuang Dschou. Plötzlich wachte er auf: da war er wieder wirklich und wahrhaftig Dschuang Dschou. Nun weiß ich nicht, ob Dschuang Dschou geträumt hat, dass er ein Schmetterling sei, oder ob der Schmetterling geträumt hat, dass er Dschuang Dschou sei (…).“ (Chuang-tzu, Buch II)
Auch wenn die Realitätstechnik bei Inception mehr auf biochemischen als auf computerisierten Prozessen aufbaut, kann man hier schöne Vorstellungen von verschachtelten Welten bewundern.

 

Robotik, Cyborgs, Mensch-Maschinen

Metropolis (Lang 1927, Stummfilm)

„Mittler zwischen Hirn und Hände muss das Herz sein.“ In Metropolis herrscht eine strikte Zweiklassengesellschaft: Während die Einen zwischen phänomenalen Zukunftsbauten dem schicken Leben nachgehen, muss der andere Teil der Gesellschaft im Dunst der Maschinen in den Katakomben schuften. Beim Versuch den Tod durch Technik zu bezwingen erschafft der Erfinder C. A. Rotwang die Maschinen Frau, die die sieben Todsünden verkörpert und schließlich eine Revolution entfacht…

2001: Odysee im Weltraum (Kubrick, Clarke 1968)

Der Supercomputer HAL 9000 versucht die menschliche Besatzung rauszuschmeißen, da sie die Weltraumexpedition zu dem mysteriösen Monolithen, der auf einem der Jupitermonde vermutet wird, stören könnten. Das Meisterwerk von Stanley Kubrick basiert auf der Kurzgeschichte The Sentinel von Arthur C. Clarke, integriert weiterhin die Themen  außerirdische Intelligenz, sowie menschliche Zivilisation und technischer Fortschritt in einer psychedelischen, künstlerischen Umsetzung und lässt dabei viel Raum für Interpretationen. Jupiter and Beyond the Infinite…

Westworld (Crichton 1973)

Im futuristischen Freizeitpark Delos laufen menschenähnliche Roboter Amok. Fortsetzung: Futureworld (Heffron 1976)

Star Wars Saga (Lucas 1977-2005)

Absolute Kultfilme mit den wohl bekanntesten Robotern: dem Astromech-Droiden R2-D2 und dem Roboter-Mensch-Kontakter C-3PO.

Blade Runner (Scott 1982)

Nach der Romanvorlage von Phillip K. Dick: Do Androids dream of Electric Sheep. Im Jahre 2019 werden Replikanten, künstliche Menschen mit ernormen Kräften zur Erschließung ferner Planeten eingesetzt, doch einer Gruppe gelingt es zur Erde zu fliehen. Sie aufzuspüren und zu eliminieren ist Aufgabe einer Sondereinheit der Polizei – die Blade Runner. In dem Klassiker des Cyberpunk-Genres mit seiner fantastisch düsteren Atmosphäre bleibt die Frage offen was einen Menschen zum Menschen macht…

Terminator Reihe (Cameron 1984, 1991, Mostow 2003, McG 2009)

In dieser actiongeladenen Kultfilmreihe vernichtet die vernetzte künstliche Intelligenz Skynet die Menschheit, die ihr als Risikoquelle erscheint. Doch natürlich gelingt es einer Reihe von Rebellen dem Atomkrieg zu entkommen und den Widerstand zu organisieren. Besonders interessant ist der vierte Teil, in dem die Terminatoren sowohl aus menschlichen als auch aus künstlichen Bauteilen bestehen, wodurch die Frage aufgeworfen wird, was einen Menschen eigentlich von einer komplexen Maschine unterscheidet.

Nummer 5 lebt! (Badham 1986)

Grandioser Film über einen Kampfroboter, der durch einen Blitzschlag ‚beseelt’ wird, vor dem Militär flieht und fortan mit viel Herz und Witz das Leben kennen lernen will. Nichts Neues bringt dagegen die Fortsetzung Nummer 5 gibt nicht auf (Johnson 1988).

Star Trek Charakter: Data (ab 1987)

Der Zweite Offizier der Enterprise ist ein Android, der zwar wie ein Mensch aussieht, allerdings rein logisch denkt und unfähig ist Gefühle zu empfinden oder Humor zu verstehen. Später wird er mit einem Emotionschip ausgestattet, den er bei störenden Gemütsbewegungen einfach abschalten kann. Data ist ständig bemüht sich zu verbessern und menschlicher zu werden.

Robocop (Verhoeven 1987)

Der Polizist Murphy wird umgebracht und als Cyborg wiederbelebt. Auf der Suche nach seinen Mördern bringt er so manchen Verbrecher zur Strecke. Als Parodie mit Splatter-Allüren durchaus unterhaltsam. Auch interessant sind die Werbeeinblendungen während der Nachrichten. Und eigentlich wurde der Cyborg-Polizist auch nur erschaffen um den Einfluss einer mächtigen IT-Firma auf die Polizei zu erhöhen, aber Robocop hat seinen eigenen Kopf…

Johnny Mnemonic (Longo 1995)

Basierend auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Wiliam Gibson. Johnny Mnemonic ist ein Cyborg, der ein Teil seines Gehirns zur externen Datenspeicherung nutzt. Allerdings quälen ihn immer wieder Flashbacks seiner Kindheit, die er für den Speicher geopfert hat. Johnny arbeitet als Datenkurier und legt sich bei einem besonders brisanten Auftrag mit der Pharmaindustrie und der Mafia an. Ein besonders interessanter Nebenstrang sind die Low-Tecs und ein heroinsüchtiger Delphin.

Ghost in the Shell (Oshii 1995)

SF-Anime-Klassiker: Im Jahre 2029 gehört die Verbesserung des menschlichen Körpers (auch des Gehirns) durch artifizielle Bauteile zum Alltag. Doch was wäre, wenn es einem Hacker gelänge bis in die innerste Nussschale vorzudringen…

Bicentennial Man (Columbus 1999)

Basierend auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Isaac Asimov. Ein Serviceroboter, der durch einen ‚Fehler’ Gefühle und ein Selbstbewusstsein hat möchte gerne zum Menschen werden.

A.I. – Künstliche Intelligenz (Spielberg 2001)

Nach der Kurzgeschichte Supertoys Last All Summer Long von Brian Aldiss. Ein Android der neusten Generation in Form eines kleinen Jungen erhält auch hier ein Bewusstsein von sich selbst und macht sich auf die märchenhafte Suche zu dem „Ort, wo die Träume geboren werden“.

I, Robot (Proyas 2004)

Basierend auf Isaac Asimovs gleichnamiger Vorlage. Im Jahr 2035 sind Assistenzroboter, die uns im Alltag helfen, allgegenwärtig und gehorchen den drei Gesetzen der Robotik: (1.) Ein Roboter darf keinem Menschen schaden oder durch Untätigkeit einen Schaden an Menschen zulassen. (2.) Ein Roboter muss jeden von einem Menschen gegebenen Befehl ausführen, aber nur, wenn dabei das erste Gesetz nicht gebrochen wird. (3.) Ein Roboter muss seine eigene Existenz bewahren, es sei denn, dies spricht gegen das erste oder zweite Gesetz.

Doch Sonny, ein Exemplar der neuen NS-5-Reihe, ist mit Emotionen und einem Bewusstsein ausgestattet. Auch der fiese Zentralcomputer V.I.K.I. gehorcht nicht mehr den drei Robotergesetzen und will die Macht an sich reißen…

Battlestar Galactika (alte Serie: Larson 1978-1980; neue Serie: Moore 2004-2009)

Vor allem interessant sind die Zylonen der leider sehr militärisch beeinflussten neueren Serie. Zylonen sind Andruiden, die über rudimentäre Emotionen und ein lernfähiges Bewusstsein verfügen und aufgrund ihres organischen Körpers äußerlich nicht von Menschen zu unterscheiden sind.

Per Anhalter durch die Galaxis (Jennings 2005)

Marvin, der einzig manisch depressive Roboter der Filmgeschichte! Im Buch von Douglas Adams noch genialer…

Real Steel (Levy 2011)

Knappe Story: Ferngesteuerte Roboter treten im Boxring gegeneinander an. Dazu noch eine verkappte Vater und Sohn Nebengeschichte, die man auch getrost ignorieren kann. Wenn man nicht zu viel erwartet bietet der Film doch eine amüsierende und actiongeladene Roboterschau (allemal besser als die US-Army-Propaganda der Transformersverfilmung). Schade nur, dass ausschließlich humanoide Roboter gegeneinander antreten.

EVA (Maíllo 2011)

Der Film bietet eine großartige Roboterschau. Streckenweise ist er zwar etwas langatmig gestaltet dafür aber viele schöne Details – zB die Darstellung visuellen Programmierens per Gestensteuerung. Doch wie sagt man einem Roboter, dass er ‚nur’ eine Maschine ist und kein Mensch?

Real Humans (Serie, Lundström 2012)

In der genialen schwedischen Serie bevölkern humanoide Roboter – sog. “Hubots” – fast wie selbstverständlich unsere Lebenswelt. Als Teil unserer Gesellschaft agieren “Hubots” in unterschiedlicher Ausführung als Haus-Nanny, die auch mal mit Rat und Tat der Familie zur Seite steht, als Roboter-Betreuung für ältere Menschen, als stupide Arbeitskräfte in der Fabrik oder als romantische Liebhaber. Auch gibt es eine kleine Gruppe “Hubots”, die ein Selbstbewusstsein erlangt haben und nun ihrerseits auf der Suche nach Identität sind. Doch auch eine Gegenbewegung formiert sich aus den Verlierern der gesellschaftlichen Veränderungen und versucht als radikale Gruppe der “echten Menschen” gegen die “Roboterfizierung” anzukämpfen… Die Serie thematisiert damit eine Reihe entscheidender Fragen und Szenarien der Mensch-Roboter-Interaktionsforschung und ist unbedingt sehenswert!

HER (Jonze 2013)

Falling in love with an Operating System. Der Film thematisiert auf tiefgehende und geniale Weise das Szenario, wie es wäre, sich in einen Computer zu verlieben – und eine aktive Beziehung mit diesem einzugehen. Doch auch das OS hat gefühle…

 

Games

Indie Game: The Movie (Swirsky/ Pajot 2012)

Ein Dokumentation in Spielfilmlänge über drei kleine independent Game-Entwicklungsteams und ihre genialen Spiele (FEZ, BRAID und SUPER MEAT BOY). Absolut sehenswert!